Nestlé zählt zu den prägenden Industriegeschichten der Schweiz – und startet im Kern mit zwei Innovationen rund um Milch. 1866 gründeten die Page-Brüder in Cham die Anglo-Swiss Condensed Milk Company und machten Kondensmilch in Europa massentauglich. Ein Jahr später brachte der Apotheker Henri Nestlé in Vevey seine „Farine Lactée“ auf den Markt – ein Säuglingsnahrungsprodukt für …
Nestlé: Vom Säuglingsbrei zum globalen Lebensmittelkonzern

Nestlé zählt zu den prägenden Industriegeschichten der Schweiz – und startet im Kern mit zwei Innovationen rund um Milch.
1866 gründeten die Page-Brüder in Cham die Anglo-Swiss Condensed Milk Company und machten Kondensmilch in Europa massentauglich. Ein Jahr später brachte der Apotheker Henri Nestlé in Vevey seine „Farine Lactée“ auf den Markt – ein Säuglingsnahrungsprodukt für Kinder, die nicht gestillt werden konnten.
1905 fusionierten die beiden Stränge zum Konzern, der heute als Nestlé Group bekannt ist.
Wachstum durch Marken und Kategorien
Schon früh baute Nestlé das Portfolio über Milchprodukte hinaus aus: Schokolade kam im frühen 20. Jahrhundert hinzu, und 1938 folgte mit Nescafé ein Produkt, das den Konsum von Kaffee weltweit stark veränderte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Sortiment durch Maggi (ab 1947 im Konzern) in Richtung Suppen, Würzmittel und praktische Alltagsküche erweitert.
Die strategische Logik blieb dabei konstant: starke Marken, große Vertriebsreichweite und konsequente Produktentwicklung – von Getränken über Süßwaren bis hin zu Tiernahrung und Spezialernährung.

Nestlé heute
Heute versteht sich Nestlé als breit diversifizierter Food- & Beverage-Konzern mit Fokus auf Ernährung, Gesundheit und Wohlbefinden. Charakteristisch sind die enorme globale Präsenz und die Markentiefe: Produkte werden in 185 Ländern verkauft; die Organisation ist regional gegliedert und operativ in viele lokale Märkte eingebettet.
Parallel investiert Nestlé substanziell in Forschung & Entwicklung, um Rezepturen, Herstellprozesse und Produktkonzepte an neue Ernährungsgewohnheiten (z. B. Zuckerreduktion, funktionale Produkte, Convenience) anzupassen.
Zahlen & Fakten
Ein Blick auf die Größenordnung zeigt, warum Nestlé für Handel, Landwirtschaft und Konsumgüterindustrie ein Schwergewicht ist:
- Umsatz 2024: CHF 91,4 Mrd.
- Konzerngewinn 2024 (Net Profit): CHF 10,884 Mrd.
- Mitarbeitende: rund 277.000
- Produktion: 337 Fabriken in 75 Ländern
- Markenportfolio: über 2.000 Marken, darunter 31 “billionaire brands”

Kritik und Kontroversen
Wie bei vielen globalen Konsumgüterkonzernen ist Nestlé seit Jahrzehnten Ziel öffentlicher Kritik.
Besonders bekannt ist die Debatte um das Marketing von Muttermilchersatzprodukten: Der WHO-Kodex zur Vermarktung von Brustmilchersatz wurde 1981 eingeführt, um problematische Vermarktungspraktiken zu begrenzen; Kritiker werfen Unternehmen (auch Nestlé) vor, den Geist solcher Regeln nicht immer konsequent umzusetzen, während Nestlé betont, den Kodex im Rahmen nationaler Vorgaben zu befolgen.
Ein weiterer Brennpunkt sind Vorwürfe rund um Kinderarbeit in Kakaolieferketten. In den USA beschäftigte sich der Supreme Court 2021 mit einer Klage, die Nestlé USA (und einen weiteren Konzern) wegen angeblicher Beihilfe zu Kinderzwangsarbeit in Côte d’Ivoire betraf; das Gericht wies den konkreten ATS-Ansatz letztlich zurück (juristische Zuständigkeits-/Extraterritorialitätsfragen), ohne damit die zugrunde liegenden Missstände in Lieferketten generell zu “lösen”.
Auch Wasserentnahme und Umweltfragen sorgen regelmäßig für Konflikte – etwa, wenn lokale Gruppen und Behörden Übernutzung oder ökologische Schäden durch Wasserförderung kritisieren.

Bedeutung für Märkte und Versorgung
Nestlé beeinflusst nicht nur Konsumtrends, sondern auch Lieferketten: Der Konzern arbeitet mit sehr großen Agrarrohstoff-Strömen (Milch, Kaffee, Kakao etc.) und ist dadurch in vielen Regionen ein relevanter Abnehmer und Qualitätsstandard-Setzer.
Gleichzeitig steht ein Unternehmen dieser Größe unter besonderem Druck, bei Innovation, Preis-/Mengensteuerung und Nachhaltigkeit messbar zu liefern – weil kleine Kurskorrekturen (Rezeptur, Verpackung, Beschaffung) global schnell große Effekte haben. Unterm Strich liegt genau darin die zentrale Rolle von Nestlé: Als globaler Marken- und Produktionsverbund entscheidet der Konzern nicht nur mit, was im Regal steht, sondern auch, wie Rohstoffe beschafft, verarbeitet und verteilt werden.







